Hintergrund

Warum die grüne Lunge Am Gottesberg so wichtig ist

Hitze, Hochwasser und alte Bäume: die Argumente der Bürgerinitiative auf einen Blick.

Die Klimakatastrophe schreitet voran. Im Sommer 2023 wurde weltweit bereits eine Klimaerwärmung von 1,5 °C gemessen. Besonders betroffen ist die Mainregion. Im Klima-Steckbrief Unterfranken (externer Link, öffnet neues Fenster) des Bayerischen Landesamts für Umwelt kann man sehen, dass 2 °C globale Erwärmung wahrscheinlich 5,5 °C, möglicherweise sogar 13 °C, für unsere Heimat bedeuten. Bereits diese Erwärmung wird unsere fränkische Trockenplatte und das Leben darauf massiv verändern.

Aktuell steuert die Menschheit sogar auf etwa 3 °C Klimaerwärmung zu – mit Folgen, die nicht mehr seriös abschätzbar sind.

„Um die Lebensgrundlagen der zukünftigen Generationen zu erhalten, muss daher dringend schon heute gehandelt werden: Sofortige und umfassende Klimaschutzmaßnahmen sind nötig, damit die weitreichenden Folgen der globalen Erwärmung gemindert werden können.“

Bayerisches Landesamt für Umwelt

Gefahr Hitze

Klimastreifen für Schweinfurt von 1881 bis 2025: 145 senkrechte Farbstreifen, einer pro Jahr. Bis etwa 1980 überwiegen Blautöne, danach Rottöne, die letzten Jahre sind fast durchgehend dunkelrot. Das Jahresmittel stieg von 8,1 °C (1881 bis 1910) auf 10,9 °C (2016 bis 2025).
Klimastreifen für Schweinfurt, 1881 bis 2025. Jeder Streifen ist ein Jahr: blau kühler, rot wärmer als das Mittel 1971 bis 2000 (9,1 °C). Im Mittel der Jahre 1881 bis 1910 lag die Jahrestemperatur bei 8,1 °C, 2016 bis 2025 bei 10,9 °C. Das wärmste Jahr war 2022 mit 11,5 °C. Idee und Methode: Ed Hawkins, University of Reading (externer Link, öffnet neues Fenster). Daten: Deutscher Wetterdienst (externer Link, öffnet neues Fenster), Jahresmittel der Lufttemperatur im 1-km-Raster. Eigene Darstellung.

In Zukunft werden wir im Sommer Temperaturen jenseits der 45 °C spüren. Werte, die ein Arbeiten im Freien unmöglich machen und mit erhöhter Sterblichkeit einhergehen. Nicht nur ältere und kranke Menschen sind bedroht: Auch für gesunde, akklimatisierte Menschen gibt es mit der sogenannten Kühlgrenztemperatur (externer Link, öffnet neues Fenster) ein tödliches Limit.

Besonders in Städten ist die Hitzebelastung extrem. Im urbanen Raum – mit wenig Belüftung und Vegetation – können die Temperaturen bis zu 15 °C höher liegen als im Umland.

„Dunkle Asphaltflächen und Gebäude heizen sich besonders stark auf. An diesen Orten entsteht ein Wärmeinseleffekt. Umso wichtiger sind daher Bäume, Grün- und Wasserflächen wie Parks und begrünte Dächer: Durch Verdunstung sorgen sie für Abkühlung in der Stadt.“

Bayerisches Landesamt für Umwelt

Beim Hitze-Check 2025 der Deutschen Umwelthilfe (externer Link, öffnet neues Fenster) landete Schweinfurt auf Rang 180 von 190 Städten.

Die zentrumsnahe Trenngrünfläche Am Gottesberg spielt eine entscheidende Rolle für die Kühlung der Stadt. Sie ist Teil des sogenannten grünen Bandes (externer Link, öffnet neues Fenster) – einer Kaltluftschneise, die frische Luft aus der Rhön bis an den Rand der Altstadt und zum Main führt.

Darüber hinaus bietet diese Fläche mit ihren 120 Jahre alten Bäumen inmitten der Stadt völlig kostenlos Beschattung, speichert Regenwasser, filtert Feinstaub und trägt durch Verdunstung zur großflächigen Kühlung bei. Sie steigert zudem die Lebensqualität und das Wohlbefinden der Menschen. All das sind Leistungen, für die neu gepflanzte Bäume viele Jahrzehnte intensiver Pflege und Bewässerung benötigen würden.

Gefahr Hochwasser

Extremwetterereignisse mit Überflutungen werden auch bei uns zunehmen. Wesentliche Teile des Geländes Am Gottesberg liegen im Hochwassergebiet des Marienbachs (externer Link, öffnet neues Fenster). Das Überschwemmungsgebiet am Marienbach ist inzwischen amtlich vorläufig gesichert (externer Link, öffnet neues Fenster).

Laut dem Beiblatt des Bayerischen Landesamts für Umwelt zur Hochwasserrisikokarte sind entlang des Marienbachs betroffen:

Betroffene Einwohnerinnen und Einwohner am Marienbach nach Hochwasserszenario
SzenarioBetroffene Einwohner
häufiges Hochwasser77
100-jährliches Hochwasser (HQ100)271
Extremhochwasser (HQextrem)406

Quelle: LfU-Beiblatt Schweinfurt Marienbach (PDF, 0,3 MB)

Im Klimaanpassungskonzept der Stadt wird der Marienbach zudem als Sturzfluthotspot genannt (Auszug zum Marienbach (PDF, 0,5 MB)).

Eine Bebauung würde wertvolle Überschwemmungsflächen zerstören, den Boden versiegeln und dadurch schwere und extrem teure Folgeschäden verursachen. Bedroht sind alle Anwohnerinnen und Anwohner entlang des Marienbachs – sowohl oberhalb als auch unterhalb des Sportplatzes. Angesichts der drastischen Temperaturveränderungen reicht ein Blick in die Vergangenheit nicht mehr aus. Noch nie dagewesene Wetterextreme stehen bevor – wir müssen vorbereitet sein.

Jeder Tropfen Regenwasser wird kostbar sein und darf nicht unnütz verrinnen. In Zeiten von Dürresommern und Hitzewellen werden wir darauf angewiesen sein. Deshalb setzen Städte weltweit auf Konzepte wie die Schwammstadt (externer Link, öffnet neues Fenster), um ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel zu stärken.

Die Bäume am Gottesberg

Bei unserer Baumzählaktion am 19.11.2022 haben wir 122 Bäume mit mindestens 40 cm Stammumfang erfasst, 20 davon mit über 70 cm. Der Stadt waren laut ihrem Baumkataster nur 71 dieser Bäume bekannt. Einige der Bäume sind über 120 Jahre alt.

Alte, tief wurzelnde Bäume binden auch im Sommer viel CO₂, filtern Feinstaub und sorgen für ein angenehmes Mikroklima. Ersatzpflanzungen am Stadtrand können das nicht leisten.

Der Sportplatz des SC 1900

Das Areal Am Gottesberg ist der frühere Sportplatz des Sportclubs 1900 Schweinfurt e. V. Der Verein wurde, wie sein Name sagt, im Jahr 1900 gegründet (Bayerischer Fußball-Verband (externer Link, öffnet neues Fenster)) und ist aus der Schwerathletik hervorgegangen (Main-Post, 13.11.2025 (externer Link, öffnet neues Fenster)). Am 19. Juli 1964 eröffnete er sein neues Vereinsheim in der Deutschhöfer Straße 28 direkt am Platz (Festschrift zur Eröffnung, Schweinfurtführer (externer Link, öffnet neues Fenster)). Zum Verein gehören außerdem zwei Turnhallen; der Platz selbst gehört der Stadt. Heute bietet der SC 1900 mit gut 100 Mitgliedern vor allem Tischtennis, Fußball und Wandern an.

Historisches Farbfoto: Blick von einer Gartenterrasse mit Rosen und Steinmauer über einen großen Naturrasen-Sportplatz. Dahinter Bäume, Backsteinhäuser und zwei Fabrikschornsteine, am rechten Rand ein Fußballtor.
Der Sportplatz am Gottesberg in den 1950er-Jahren – damals noch mit Naturrasen. Foto: Walter Grübel

Kunstrasen von 1988

Laut Sportstättenkataster der Stadt wurde das Großspielfeld (94 × 62 Meter, rund 5.400 Quadratmeter Spielfläche) im Jahr 1988 mit Kunstrasen belegt und seither nicht saniert (Kataster ungedeckte Sportanlagen, Stand 10/2018 (externer Link, öffnet neues Fenster)). Eine Modernisierung sei „aufgrund der Nutzungsdauer und Intensität dringend erforderlich“, Kosten rund 416.000 Euro. Schon 2013 stand ein neuer Kunstrasen für den „in die Jahre gekommenen“ Platz ganz oben auf der Wunschliste des SC 1900 (Main-Post, 20.03.2013 (externer Link, öffnet neues Fenster)).

2018: Gutachten und Sperrung

2018 untersuchte das Institut für kommunale Sportentwicklungsplanung (INSPO) im Auftrag der Stadt alle Schweinfurter Sportanlagen (Integrierte Sportentwicklungsplanung, September 2018 (externer Link, öffnet neues Fenster)). Für den Platz am Gottesberg hält das Gutachten fest:

  • Der Platz durfte nur noch vom SC 1900 genutzt werden, für die Öffentlichkeit und andere Vereine war er bereits gesperrt.
  • Es gab Sicherheitsmängel: Die Nähte des Kunstrasens lösten sich auf (S. 176), die Fläche war uneben.
  • Widersprüchlich bleibt die Bewertung: An einer Stelle wird eine „zeitnahe Sanierung“ für rund 420.000 Euro eingeplant (S. 179), an anderer Stelle heißt es, der Platz sei „nicht sanierungsfähig“ (S. 170).
  • Empfohlen wurde, den Platz „aufgrund erheblicher Sicherheitsmängel … für alle Sporttreibenden mit sofortiger Wirkung“ zu sperren (S. 215). Da 23 von 27 Großspielfeldern voll nutzbar waren und der Bedarf auf höchstens 15 geschätzt wurde, galt der Platz als verzichtbar (S. 170).

Noch im Jahr 2018 sperrte die Sportverwaltung der Stadt den Kunstrasenplatz. „Die Gesundheitsgefahr war zu groß, der Platz konnte nicht mehr gefahrlos von Sportlern genutzt werden“, begründete der Sportamtsleiter; das Haftungsrisiko für die Stadt als Eigentümerin sei zu hoch gewesen (Main-Post, 04.04.2019 (externer Link, öffnet neues Fenster)).

Sanierbar oder nicht?

Der SC 1900 protestierte gegen die Schließung. Der Vereinsvorsitzende nannte sie „katastrophal“, der Platz sei das „Herzstück“ des Vereins. Aus Sicht des Vereins hatte die Stadt über Jahre zu wenig in den Erhalt investiert. Anbieter hätten bestätigt, dass der Unterbau noch in Ordnung sei; die Rutschgefahr komme vor allem vom Quarzsand. Ein moderner Kunstrasen auf dem bestehenden Unterbau sei günstig machbar (Main-Post, 04.04.2019 (externer Link, öffnet neues Fenster)).

Die Stadt sah das anders: Nach zahlreichen Begehungen mit Fachleuten sei die Schließung alternativlos gewesen. Ein Neubau sei zu teuer und an dieser Stelle nicht sinnvoll, weil Laub und Feuchtigkeit vom Marienbach die Probleme wieder verursachen würden – gleich ob Kunst- oder Naturrasen. Pläne, das Gelände zu verkaufen, gebe es nicht (Main-Post, 04.04.2019 (externer Link, öffnet neues Fenster)).

Die Fußballer fanden in einer Spielgemeinschaft mit dem TV Jahn eine neue Heimat, die Kinder trainierten zeitweise bei der TG 48. Im September 2020 beantragte die Grünen-Fraktion im Stadtrat, den alten Belag abzutragen und mit einem Förderprogramm des Freistaats einen neuen Rasenplatz für Vereins- und Freizeitsport zu bauen. Das würde das „derzeit verwahrloste Areal“ entsiegeln und den Stadtteil aufwerten. Eine Wohnbebauung sei „im Moment nicht geplant“, hieß es damals von der Stadt (Main-Post, 29.09.2020 (externer Link, öffnet neues Fenster)). Die Stadt hielt das Förderprogramm für ungeeignet; stattdessen sollte nur der kleine Bolzplatz am Parkplatz für den Verein und die umliegenden Schulen hergerichtet werden (Main-Post, 02.10.2020 (externer Link, öffnet neues Fenster)).

Vom Sportplatz zum Bauland

Im Exposé für das Bieterverfahren (PDF, 0,3 MB) vom Mai 2022 heißt es, der Fußballplatz sei „gegenwärtig nicht bespielbar und daher ungenutzt“. Statt den Kunstrasen zu entfernen und die Fläche zu entsiegeln, will die Stadt das rund 8.700 Quadratmeter große Areal nun an einen Investor für Wohnbebauung verkaufen – keine vier Jahre nachdem sie Verkaufspläne bestritten hatte. Im Oktober 2022 machte der Bauausschuss mit knapper Mehrheit den Weg frei, der Stadtrat blieb trotz Kritik beim Verkauf (siehe Bauausschuss am 13.10.2022 und Pressespiegel 2022).

Die Politik der Stadt Schweinfurt

Bereits 2015 wurden im integrierten kommunalen Klimaschutzkonzept der Stadt Schweinfurt (externer Link, öffnet neues Fenster) viele dieser Punkte detailliert dargestellt. Unter anderem wurde gefordert, Kaltluftentstehungs- und -abflussbereiche in der Stadtplanung zu berücksichtigen und Flächen, wo immer möglich, zu entsiegeln.

2021 setzte sich die Stadt das ambitionierte Ziel, bis 2035 klimaneutral zu werden. Förderungen zur Begrünung von Dächern und Fassaden, zur Entsiegelung befestigter Flächen und zur Pflanzung von Bäumen wurden aufgelegt – 2025 jedoch aus finanzpolitischen Gründen wieder eingestellt.

Am 15.01.2026 hat der Bau- und Umweltausschuss das Konzept zum kommunalen Sturzflut-Risikomanagement einstimmig befürwortet. Am 21.05.2026 wurden dem Ausschuss die Ergebnisse zum integralen Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzept für Marienbach, Zeller Grundbach und Höllenbach vorgestellt. Am 27.01.2026 hat der Stadtrat das Klimaanpassungskonzept (externer Link, öffnet neues Fenster) beschlossen. Die Dokumente finden Sie unter Amtliche Informationen.

All das ist richtig und wichtig – doch der Theorie muss auch die Praxis folgen. Warum schützt die Stadt nicht konsequent die Grünflächen und den Baumbestand, die sich noch in öffentlicher Hand befinden und somit Allgemeingut sind?

Unsere Forderung

Wir fordern, dass das Areal Am Gottesberg in die aktuellen Planungen einbezogen wird und die geplante Bebauung unter den veränderten Bedingungen der Klimakatastrophe und der notwendigen Anpassungsmaßnahmen neu bewertet wird.

Angesichts der massiven Veränderungen durch die Klimakatastrophe ist eine Bebauung – und damit die Entstehung einer neuen Hitzeinsel – nicht mehr zu rechtfertigen.

Stattdessen können wir durch die Entsiegelung und Weiterentwicklung der grünen Lunge Am Gottesberg einen bedeutenden Beitrag zum Erhalt unseres städtischen Lebensraums und zur Sicherung der Lebensgrundlage zukünftiger Generationen leisten.

Unser Plakat zum Herunterladen (PDF, 2,9 MB)

Quellen und weitere Informationen